Sehr selbstbewusst!

Was zeichnet einen guten Dienstleister aus?Nun …, zunächst doch wohl, dass er überhaupt einen Dienst leistet.

Darüber hinausdamit er nach meiner Interpretation auch tatsächlich ein guter Dienstleister ist – sollte er, nachdem er seine Dienste angeboten und den entsprechenden Auftrag erhalten hat, diese Dienste so wie ver- und abgesprochen im Interesse seines Kunden leisten. Abschließend darf er abrechnen…. und auf einen neuen Auftrag hoffen. Wenn er seine Sache gut gemacht hat.

So soll es sein. Ist es aber eigenartigerweise immer öfter nicht. Und das liegt nicht allein an einigen kackfrech auftretenden Dienstleistern sondern – es gehören eben immer zwei dazu … – auch an den gegenüberstehenden wohlerzogenen Kunden bzw. Auftraggebern, die diesem dummdreisten Auftreten zunächst nichts anderes als ein “Ja” entgegenzusetzen haben.

Zur Sache. Ein kleines Beispiel aus der Praxis. Natürlich sind die handelnden Personen frei erfunden, die beschriebene Situation entstammt der brutalen Realität.

Eine total verspannte Frau geht in eine Massagepraxis und will sich eine herrliche Entspannungsmassage gönnen. Der fach- und verkaufskundige Masseur stellt sogleich umfassende desolate Muskelzustände fest und beginnt energisch damit, die verhärtete Muskelmasse seiner Neukundin butterweich zu klopfen. 40 Minuten später kassiert er direkt “cash auf die Kralle” (“… eine Rechnung schreibe ich ihnen später …”) sein respektables Honorar und entlässt die nun wohlig entspannte Frau zurück in ihr angespanntes Leben, nicht jedoch ohne ihr vorher einen neuen Termin für übermorgen, 13.00 Uhr, mitzugeben. “Da müssen sie noch ein paar Mal wiederkommen, so doll wie sie verspannt sind, das krieg ich nicht ruckzuck weg.”

Macht nichts. Die Massage tat gut und auch wenn der Spaß irgendwie ganz schön teuer war …., schließlich gönnt man sich sonst zu wenig und überhaupt …., wenn es um die eigene Gesundheit geht, darf man nicht knickerig sein.

6 Wochen a 2 Besuche a XX Euro Honorar “cash auf die Kralle” (Rechnung fehlt nach wie vor) folgen. Die Muskeln der Dame weigern sich leider hartnäckig, länger als ein, zwei Stunden nach den Besuchen in der Massagepraxis butterweich zu sein, der wohlige Hinterher-Entspannungseffekt ist nicht mehr so radikal wie nach dem ersten Besuch, die 40 Minuten sind auf 25 bis 30 Minuten zusammengeschrumpft.

Die anfängliche Zufriedenheit der Protagonistin weicht einer leichten Irritation … Irgendwie mag sie es nicht, Termine dominant aufgedrückt zu bekommen, die sie dann auch noch teuer bezahlen soll. Und irgendwie mag sie es ebenfalls nicht, dass sich so überhaupt kein erwünschter Langzeiterfolg einstellen will. Und definitiv ganz und gar mag sie es nicht, dass die mehrfach zugesagte Rechnung genauso ausbleibt wie die angestrebte Muskelentspannung.

Ganz allmählich beginnt die (durchaus kritische, wenn auch schmerzgeplagte) Frau darüber zu sinnieren, ob die häufigen Aufenthalte in der Massagepraxis tatsächlich geeignet sind, ihr Leid zu eliminieren. Sie entscheidet sich für die klare Antwort “Nein”, ruft umgehend an und teilt dem Masseur rechtzeitig vor ihrem 14. (!) Termin mit, dass sie nicht mehr kommen wird.

Doch – oh Wunder – die Reaktion des Mannes am anderen Ende der Leitung fällt komplett anders aus als erwartet. Er schimpft gekränkt und droht, dass sie mit ihrer undisziplinierten Absage den gerade begonnenen Heilungsprozess (den sie zwar noch nicht unmittelbar bemerken könne, der aber dennoch unaufhaltsam im Anmarsch sei!!) gefährde und seine immensen, weit über das normale Maß hinausreichenden Bemühungen zunichte machte! So geht es nicht, sie müsse weiterhin kommen.

——– ohne Worte

Die Frau geht tatächlich noch einmal hin, verweigert eine erneute Behandlung und verlangt stattdessen, nun sehr entschieden, die Rechnung.

Die Muskelschmerzen hat sie übrigens immer noch. Und zusätzlich einen nagelneuen, total verspannten Feind.

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