Aus brandaktuellem Anlass verliere ich, Franziska Fuchs, heute ein paar – wie stets - sorgfältig gewählte Worte über die Veränderungen in unserer Welt; im Besonderen über die Veränderungen des menschlichen Verhaltens.
Nun ist es wohl müßig zu überlegen, ob sich zuerst die „Welt“ und als Folge davon das Verhalten verändert hat. Oder ob das veränderte Verhalten im Kleinen die Veränderungen im Großen nach sich zog……
Ein Beispiel, das uns mitten im Wirtschaftsprozess steckende Menschen alle angeht: das heutige Zahlverhalten.
Wahrscheinlich sträuben sich Ihnen (auch) schon die Haare!? Vorbei die Zeiten, als Menschen es noch als vollkommen selbstverständlich ansahen, für kassierte Leistungen auch bezahlen zu müssen. Heute wird nach Entgegennahme der Leistung auf Tauchstation gegangen, gelogen, ausgeredet, drum herum geredet, abgestritten, verzögert und verweigert auf „Teufel komm heraus“.
Und dies scheinbar ohne (größere) Gewissensbisse. Nur Naivlinge (wie Sie und ich?) empfinden es in der heutigen Situation scheinbar als Widerspruch, wenn jemand zwar z.B. ein großes Auto fährt, eine dreistellige Rechnungssumme jedoch nicht bezahlen will / kann? Auf alle Fälle nicht bezahlt.
Kapazitäten ohne Ende werden dafür verschleudert, eine rechtlich klare und eindeutige Sache ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen. Vorteil dabei: zumindest die Branchen „Inkasso“, „Rechtsanwälte“ und „Gerichte“ boomen wie nie!
Pech natürlich für den, der am Ende so einer peinlichen und entwürdigenden Finanz-Transaktions-Kettenreaktion steht …. Wirklich Pech. Der arme Wicht kann in den allermeisten Fällen seinen Gläubigern nicht entkommen und wird eiskalt erwischt. Da nützen auch die plausibelsten Erklärungen nichts – her mit der Kohle. Selbst, wenn sie nicht da ist.
Alle die, die weiter oben in der Spirale sitzen, geben einfach nur nach unten weiter. Der Kunde zahlt seinen Lieferanten nicht, der Lieferant zahlt seine Dienstleister nicht, der wiederum seine Mitarbeiter nicht, und die ihre Rechnungen nicht …. ? Pech! Sag´ ich doch!
Natürlich könnte die Lage entschieden verbessert werden, würden alle Beteiligten vor Inanspruchnahme einer Leistung zunächst mal gucken, ob sie sich die denn überhaupt leisten können. Solchen Überlegungen würden natürlich der eine oder andere schnittige PS-Schlitten zum Opfer fallen, ……. und wohl auch sonst noch so manches.
„Prima! Ich zahle meine Weihnachtsgeschenke erst im Februar!“ lautet mittels eines lachenden Gesichts die fröhliche Werbebotschaft einer Bank, die ihre „unbürokratischen Sofort-Kredite – auch bei bereits bestehenden Verpflichtungen“ anpreist. Bin ich ein Spießer, wenn ich diese Werbung (und somit die Bank) als höchst unmoralisch und sittenwidrig empfinde?
Bin ich ein Spießer, weil ich immer noch die Meinung vertrete, Rechnungen seien keine Diskussionsgrundlagen sondern Zahlungsaufforderungen?
Bin ich ein Spießer, weil mein Nervenkostüm leidet, wenn ich konsequent und äußerst leicht durchschaubar belogen werde?
Aus reinem Selbstzweck schlage ich die radikale Abschaffung des Geldes vor.
Kehren wir – auch hier – zu den Wurzeln zurück und fangen wir einfach wieder mit dem Tauschen an. Meine Dienste gegen deine Dienste – so müsste es klappen.
Ich möchte neue Wohnzimmermöbel haben und biete dem Möbellieferanten dafür ein ausgeklügeltes Werbekonzept, das ihn so richtig nach vorne bringt. Der Bäcker „bezahlt“ mit seinen Brötchen, der Rechtsanwalt mit seiner Beratung, der Autohändler mit Autos (resp., je nach Umfang der Leistung, mit Leihfahrzeugen), der Juwelier mit Ketten und Ringen und der Elektroinstallateur mit Gratis-Reparaturen. Otto und Anna Normalo „bezahlen“ mit Dienstleistungen wie Putzen, Chauffeurdiensten, Kinderbeaufsichtigung, Besorgungen aller Art, Botengängen, Schreibarbeiten, Hunde-Gassi-Führen, Schuhe putzen und Laub harken o.ä.
Schon sind alle zufrieden. Wir haben alle gut zu tun, tauschen schlicht um schlicht, schaffen das gewaltig expandierte Mahnwesen mit seiner gesamten Manpower einfach ab und nutzen die dadurch frei gewordenen Kapazitäten um uns neue Tauschangebote auszudenken und zu kreieren.
Das einzige Problem dabei wäre ……..(kleine Denksportaufgabe)…. Irgendwann hätte man z.B. eine ganze Menge Ringe, Ketten, Leihfahrzeuge (womöglich eigene Autos!) und Gutscheine für Werbekonzepte, Beratungsstunden und Gratis-Reparaturen. Von den Brötchen ganz zu schweigen! Ohne dies alles noch nutzen zu können. Weil inzwischen schon 8 Ketten am eigenen Hals baumeln, mehr als 10 Ringe gehen nicht. Da man sich mit niemanden mehr streitet, braucht man keinen Rechtsanwalt mehr, Werbekonzepte schon gar nicht, weil man sowieso ausgelastet ist und in Haus und Hof ist alles sogar schon rein prophylaktisch repariert worden, was jemals kaputt gehen KÖNNTE. Schuhe und Fenster sind blitzeblank, das Laub wird direkt vom Baum abgefegt und der Hund ist stehend k.o. wegen fehlender, dringend gewünschter Ruhepausen.
Was tun? Man könnte seine Schätze nun horten. An einem sicheren Ort, nennen wir ihn mal z.B. „Bank“. Der Nachteil ist, dass die 10 (oder wie viel auch immer) Autos, die auf der Bank sind, ja ratz-fatz veralten und somit rapide an Wert verlieren. Nicht viel besser ist es mit meinen Gutscheinen. Hole ich mir nach 1 Jahr einen meiner Gutscheine von der Bank um ihn einzulösen, gibt es womöglich den Aussteller des Gutscheins gar nicht mehr. Und was mit den eingelagerten Brötchen passiert, können Sie sich ja denken!
Also brauchen wir „Irgendetwas“, das einen klar definierten Wert darstellt und diesen garantiert auch bei langer Lagerung nicht verändert. Jede Ware, jede Dienstleistung wird nun genau taxiert und wertmäßig bestimmt. Z.B. 1 Brötchen ist 2 (nennen wir es mal …) Pixi wert. 1 Elektroinstallateur-Meisterstunde kostet 210 Pixi, 1 Goldkette 2730 Pixi und ein Auto 197.538 Pixi.
Hey, das ist die geniale Lösung! Wenn ich mir jetzt meine neuen Möbel kaufen gehe, dann erhält der Möbellieferant von mir einen Zettel, auf dem ich die Summe notiere, die ich ihm schulde. Also vielleicht „Hiermit verpflichte ich mich, Ihnen 32.450 Pixi zu zahlen.“
Ich schnappe mir meine Möbel und er ist glücklich mit seinem Zettel, den er einfach an seinen nächsten Gläubiger weiter reicht. Oder er legt ihn auf seine Bank. Garantiert wertstabil.
Und was ist, wenn der Möbelmann mit meinem Zettel über 32.450 Pixi eine Schuld in Höhe von 28.399 Pixi bezahlen will. Eventuell sogar nur 3 Brötchen, also 6 Pixi? Das ginge ja gar nicht!!!
Gut, dann müssen wir die Zettel in Summen aufteilen und auch schon vorbereiten. Es muss Zettel geben im Wert von 1 Pixi, 10 Pixi, 100 Pixi und möglicherweise auch noch 1.000 Pixi (damit der Autohändler nicht zusammen bricht, wenn wir ihn bezahlen!).
Damit das Ganze ein bisschen gerecht abläuft, dürfte man die Pixi-Zettel dann natürlich nicht mehr selbst schreiben (obwohl die Vorstellung sehr reizvoll ist ….). Diese Aufgabe müsste zwingend an einen besonders vertrauenswürdigen Ort und in die Hände von besonders vertrauenswürdigen Menschen verlagert werden. Sozusagen zentralisiert für alle.
Diese besonders vertrauenswürdigen Menschen geben jedem von uns – sagen wir mal – als Startkapital garantiert fälschungssichere 40 Pixi. Und dann soll mal jeder zeigen, was er kann. 1 Jahr später wird verglichen! Aber Hallo!
Also, irgendwie kommt mir das alles jetzt ganz komisch bekannt vor…..
(… und irgendwie habe ich das dumme Gefühl, dass mein Eingangsproblem damit immer noch ungelöst ist …..)
